Die Nantesbucher Moorgeige
Ein Instrument mit besonderer Entstehung: Aus dem Holz der Nantesbucher Moor-Spirke fertigt Geigenbauer Anton Sprenger ein Instrument

Ein Streichinstrument, das nie eines hätte sein sollen.
Nach einem Sturm wurde eine im Moorgebiet von Nantesbuch gefallene Spirke – eine seltene Moorkiefer – zur Grundlage für ein außergewöhnliches Experiment: Der Mittenwalder Geigenbauer Anton Sprenger fertigte daraus eine Violine. Gegen alle Regeln des klassischen Geigenbaus – aber mit großem handwerklichem Können und einem besonderen Gespür für Material, Klang und Geschichte.
Die Idee entstand in Zusammenarbeit mit Franziska Eimer, Kuratorin der Stiftung Kunst und Natur, und dem Team Natur und Landschaft der Stiftung. Der Klangkörper sollte nicht nur ein handwerkliches Experiment sein, sondern auch ein kultureller Impuls – tief verwurzelt im Ort, offen für neue Perspektiven.
Musikalische Premiere
Am 29. März 2025 wurde die Moorgeige zum ersten Mal öffentlich gespielt – im Rahmen eines Konzerts in Nantesbuch. Der Geiger Matthias Well brachte sie zum Klingen, begleitet von der Pianistin Lilian Akopova und der Band Django 3000.
Bau & Spiel
Geigenbaumeister Anton Sprenger
Der Mittenwalder Geigenbauer Anton Sprenger, spezialisiert auf den Bau und die Restaurierung hochwertiger Streichinstrumente, setzte diese Idee um. Er entstammt einer seit über 300 Jahren bestehenden Geigenbauerfamilie, die auf Matthias Klotz, den Begründer des Mittenwalder Geigenbaus im Jahr 1685, zurückgeht. Durch seine Familienlinie ist er direkter Nachfahre von Sebastian Klotz II, dessen Geburtshaus in Mittenwald in unmittelbarer Nähe zu Sprengers Werkstatt liegt – dort wurde vermutlich die Geige gebaut, die Wolfgang Amadeus Mozart zeitlebens spielte. Bereits im 19. Jahrhundert waren Mitglieder der Familie Sprenger als Geigenbauer in New York, Karlsruhe, Würzburg und Nürnberg tätig. Sprenger führt diese Tradition heute in Mittenwald fort und fertigt Instrumente für Musiker weltweit.
Violinist Matthias Well
Matthias Well, 1993 in München geboren, ist ein deutsch-französischer Geiger und Sohn des Kabarettisten Michael Well (Biermösl Blosn). Er studierte an der Hochschule für Musik und Theater München bei Prof. Mikyung Lee und schloss sowohl den Bachelor als auch zwei Masterstudiengänge mit Auszeichnung ab. Wichtige Impulse erhielt er durch Kirill Troussov sowie Meisterkurse u. a. bei Julia Fischer und Augustin Hadelich. 2017 wurde er mit dem Fanny-Mendelssohn-Förderpreis ausgezeichnet, sein Debütalbum Funeralissimo erreichte die Klassikcharts und wurde vielfach medial gewürdigt. Konzertreisen führten ihn rund um den Globus; als Solist trat er mit namhaften Orchestern und bei renommierten Festivals auf. Matthias Well spielt regelmäßig mit seiner Schwester Maria Well und ist Stipendiat der Yehudi-Menuhin-Stiftung.